Ein US-Bundesgericht hat in einer Zwei-zu-Eins-Entscheidung der Richter eine Klage gegen das Unternehmen Interloc Inc., das im Büchergeschäft tätig ist, fallengelassen. Interloc soll heimlich Kunden von Amazon.com abgeworben haben, indem es Mails seiner Kunden nach Angeboten der Konkurrenz durchforstet hatte. Dabei handelte es sich um Mails von Amazon, die für Kunden mit Mailaccounts bei Interloc bestimmt waren, berichtet das Wall Street Journal. Mit dieser Entscheidung hat das Gericht sozusagen das Abhören im Internet bewilligt.
Interloc hat alle Mails von Amazon an Kunden, bei denen es sich um Händler für seltene oder vergriffene Bücher handelte, automatisch gespeichert. Auf diese Weise konnte das Unternehmen Listen von Büchern erstellen, die lange schon vergriffen oder nur selten zu finden waren. Amazon bietet keine gebrauchten Bücher an, ist aber behilflich bei der Suche nach vereinzelten Exemplaren. Interloc gelang es aus diesem Mail- Lauschangriff wirtschaftliche Vorteile zu schöpfen.
Die Electronic Frontier Foundation kommentierte die Entscheidung des Gerichtes als einen Angriff auf die Privatsphäre im Internet. Der Präsident des Zentrums für Demokratie und Technologie Jerry Berman ist auch ähnlicher Meinung, denn das Abhören der elektronischen Kommunikation stellt eine Gefahr dar. Der unterlegene Berufungsrichter Kermit V. Lipez konnte ebenfalls für das Fallenlassen der Anklage kein Verständnis aufbringen: "Das Gesetz gegen Abhören wird durch diese Entscheidung praktisch irrelevant gemacht", so Lipez.
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